Ist ein Geburtsvorbereitungskurs sinnvoll?

 

In meiner ersten Schwangerschaft war eine der ersten Broschüren, die ich erhalten habe, eine Terminliste mit verschiedenen Geburtsvorbereitungskursen, Babymassagen und ähnlichem. Als unerfahrene Fast-Mama meldete ich mich natürlich zu einem Geburtsvorbereitungskurs an. Mir kam das fast schon unausweichlich vor. Irgendwie gelten diese Kurse als obligatorisch, wenn man die Geburt gut überstehen möchte. Außerdem hatte ich das Gefühl, überaus wichtige Infos zu verpassen, wenn ich nicht teilnehmen würde und dann bei der Geburt dumm dazu stehen. „Was Sie haben keinen Geburtsvorbereitungskurs gemacht? Dann können Sie gleich wieder nach Hause gehen, dann wird das nichts mit der Entbindung!“ hörte ich die Hebamme im Krankenhaus schon sagen.

Die Entscheidung zur Teilnahme finde ich immer noch sehr nachvollziehbar. Vor der ersten Geburt hat man keine Idee, was auf einen zukommt, geschweige denn, wie man dies bitte überstehen soll. Ängste, Zweifel, Scham, eine Vielzahl an Gefühlen wechseln sich mit einer gehörigen Portion Vorfreude ab.

 

Unser Kurs begann im Hochsommer. Wir schwitzen in einer Dachgeschosspraxis in der Innenstadt vor uns hin, während wir uns vorstellten und kennen lernten. Gleich bildeten sich gewisse Sympathien (die auch noch weit über den Kurs hinaus blieben). Allein aus diesem Grund, lohnt sich so eine Kursteilnahme in jedem Fall. Du lernst andere werdende Mütter kennen, die du im besten Fall sympathisch findest und hast so jemanden zum austauschen und später für Playdates bzw. zum Kaffee trinken, während die Säuglinge schlafen oder brüllen. Die richtigen Playdates kommen dann etwas später.

 

Theorie wechselte sich mit Spielen bzw. Übungen ab. Wie theoretisch so eine Baby geboren wird, hat man ja schon leise im Hinterkopf. Viel Literatur gibt es dazu auch. Die Übungen fand ich eher mäßig hilfreich. Schön, wenn man mal Geburtspositionen gesehen oder ausprobiert hat, aber in der wirklichen Situation weiß man davon nichts mehr und hört auf die eigene Intuition oder im Zweifel auf die anwesende Hebamme. So ging es mir zumindest. Schön fand ich den offenen Austausch. Nur hätte ich mir bisweilen ein wenig mehr Toleranz gewünscht. Der Trend geht zur Hausgeburt und stillen nach Bedarf. An sich ja schön. Aber es gibt einfach Mütter, die nicht stillen können oder wollen, einen Kaiserschnitt, warum auch immer, bevorzugen oder einfach einen benötigen. Diese sollten sich in keiner Weise weniger wert, benachteiligt oder sonst was fühlen. Jede macht es genau richtig, so wie sie es eben macht. Hier wären Infos zum Ablauf eines Kaiserschnitts oder zu möglicher Ersatznahrung schön gewesen.

Alles in allem ist so ein Kurs toll. Man beschäftigt sich mit der Schwangerschaft, lernt nette Leute kennen und fühlt sich besser gewappnet für die Geburt. Bei meinem zweiten Sohn habe ich dennoch keinen Kurs mehr besucht, da zum ersten die Zeit einfach knapp ist, wenn man schon ein Kind hat und zum anderen waren parallel einige Freundinnen schwanger, sodass ich einen Austausch hatte. Sollte man keine Gruppe mehr finden, Schwangerschaftsgymnastik, -yoga etc. erfüllen den selben Zweck. Für Infos zur Geburt einfach mal googeln oder mit der Hebamme oder Frauenärztin durchsprechen.