"Stay at home"- Mum - länger in Elternzeit

Für mich stand bereits vor der Geburt meiner Kinder fest, dass ich in Elternzeit gehen werde und dies auch länger als das obligatorische Jahr machen möchte. Bei unserem ersten Sohn hat auch mein Mann eine längere Elternzeit genommen. Finanziell ist dies natürlich mit Einbußen verbunden, da nach einem Jahr das Elterngeld ausläuft und man unentgeltlich zuhause ist. Möglich ist eine Zahlung über zwei Jahre hinweg und nur das hälftige Elterngeld zu bekommen.

 

Wir persönlich wollten gern, dass die Kinder jeweils erst mit drei Jahren den Kindergarten besuchen und wir auf einen Krippenbesuch verzichten. Dies ist eine sehr individuelle Entscheidung, die Eltern immer nach eigener Einschätzung und eigenen Wünschen treffen sollten.

 

Unerwartet für mich war, dass doch die allermeisten Mütter in meinem Umfeld zum ersten Geburtstag des Kindes wieder in den Beruf einstiegen. Ich hätte erwartet, dass dies eher gemischt sein würde. Schnell kamen auch Fragen, wann ich denn wieder arbeiten möchte. Sogar: „Was machst du eigentlich so den ganzen Tag?“ wurde ich einmal gefragt. Wer Kinder hat, weiß, was eine Mama so den ganzen Tag macht. Geht man einem Beruf nach, sind die Kinder in dieser Zeit gut betreut. Dies bedeutet auch, dass Zuhause weniger anfällt, man denke nur an den Großputz nach jeder Mahlzeit. Auch ist es leichter möglich, sich ein kleines Zeitfenster für den Wocheneinkauf, Hobbys oder ähnliches einzuräumen. Zumindest wurde mir dies von Bekannten so bestätigt. Man muss also nicht immer mit Kind und Kegel losziehen. Viele Freundinnen sagten mir, dass ihnen die Abwechslung sehr gut tue und dass sie den beruflichen Stress ganz anders empfinden als den Zuhause und somit recht zufrieden seien.

 

Meine Entscheidung, erst einmal nur Mama zu sein, bereue ich auf keinen Fall. So habe ich Zeit, wichtige Schritte meiner Kinder mitzuerleben und mit ihnen den Alltag zu gestalten. Ich kann es jedoch auch verstehen, wenn Mütter sagen, dass ihnen der Alltag zuhause zu eintönig ist und dass sie auch deswegen wieder arbeiten.

 

Für ein angenehmeres Miteinander bin ich immer dafür, leben und leben lassen. Jeder so, wie er gern möchte.

 

Ich finde es sehr schön, dass die Kinder die Gelegenheit haben, zusammen aufzuwachsen und erst einmal beide zuhause sind. So wird das Geschwisterverhältnis meiner Meinung nach gestärkt. Beide haben in Ruhe Zeit zu spielen, ob mit oder ohne einander. Auch sehe ich die ersten Jahre als sehr wichtig an, was die Bindung zu den Eltern und auch Geschwistern angeht. Zuhause lernen Kindern erst einmal die alltäglichen Abläufe kennen und können sich in Ruhe an verschiedenen Dingen erproben.

 

Für unsere Familie ist das Modell genau richtig. Ich finde, man sollte einen Weg finden, mit dem alle Familienmitglieder einverstanden sind. Jede Familie ist anders und hat auch sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Sicher gibt es auch Faktoren, die für einen Krippenbesuch sprechen. Wichtig finde ich, hinter der persönlichen Entscheidung zu stehen und sich nicht von anderen verunsichern zu lassen. Denn keiner hat das Recht, sich in eine Familienentscheidung einzumischen. Man selbst muss damit gut leben können und zufrieden sein.